Heute tue ich etwas, das ich seit 13 Jahren nicht mehr getan habe. Ich lese tatsächlich wieder in einem Perry Rhodan.

Bei Battlestar Galactica war es ein Segen, bei DC Comics streiten sich die Fans darüber. Auch Star Trek hat es getan. Sollte ein Neustart auch dem Urgestein Perry Rhodan wieder mehr Publikum bescheren? Meine Neugier ist jedenfalls groß genug, dass ich mir das erste Heft bzw. Taschenbüchlein besorgt habe.
Um es gleich zu sagen: Ich habe nie die in den Neunzigern erschienenen Heftromane gelesen, sondern die Buchversionen der älteren, weil ich von vorne und nicht mittendrin beginnen wollte. Als ich Mitte der Neunziger mit den Science-Fiction-Romanen anfing, waren diese bereits ein Anachronismus. Die Vorstellungen über die Technik und den Weltraum waren Jahrzehnte hinter dem, was bereits die Schwelle der Populärwissenschaft überschritten hatte und zum Allgemeinwissen geworden war. Dabei hatten sich die Autoren mit dem Datum der ersten Mondlandung nur um zwei Jahre geirrt. Hingegen arbeitete ein Computerexperte – nach heutigen Maßstäben ein Hacker – mit dem Computer, indem er für Menschen unverständliche Zahlenreihen in ein Mikrofon brüllte. Man hatte also eine ausgezeichnete Spracherkennung, aber noch nicht einmal eine ausgereifte Programmiersprache. Wegen dieser und zahlreicher anderer Zukunftsvisionen, die sich in den über 30 Jahren anders entwickelt hatten, konnte ich den Geschichten einen gewissen Charme abringen.
Das funktionierte so gegen Ende des solaren Imperiums nicht mehr. Die Ausmaße aller Technik und Dinge wurde zu extrem für meinen Geschmack und so legte ich die Bücher wieder weg. Dieses ist ein generelles Problem von Science-Fiction-Serien: Dass die Menschen irgendwann zu stark werden, als dass man sie noch sinnvoll entwickeln kann. Hier hat die Serie Perry Rhodan allerdings den längsten Atem bewiesen, denn so weit getrieben hat es nach meinem Wissen keine andere mit der Entwicklung ihres Universums.
Nun, 50 Jahre nach dem ersten Heft greift man zu einem Mittel, das andere Serien, egal ob Comic, TV oder Kino bereits erfolgreich exerziert haben: Die Wiedergeburt, auch Reboot oder Relaunch genannt oder in Anlehnung an den zweiten Matrix-Film mit dem Zusatz “reloaded” gekennzeichnet. Bei Perry Rhodan heißt das Zauberwort NEO. Ich hatte ein Paperback-Heftchen erwartet, stattdessen ist es so ein Zwischending zwischen Taschenbuch und Heft mit 160 Seiten im Format 18×12 cm. Was mir gleich auffällt ist die miserable Qualität: Der Einband ist zu kurz und die Seiten schauen darunter hervor. Der Blocksatz auf manchen Seiten ist schief und hin und wieder sieht man Reste von Markierungen, die eigentlich jenseits des Schnitts hätten liegen sollen. Dennoch: Das Büchlein ist handlicher als die Romanheftchen, passt besser in die Jackentasche. Das Konzept könnte aufgehen.
Ich habe erst 25 Seiten gelesen, deswegen spare ich mir hier eine Spoilerwarnung zum Inhalt. Neben dem notwendigen Aufräumen mit technischen Anachronismen sind mir folgende Änderungen aufgefallen: Rhodan wird diesmal von Anfang an auf eine Mission mit möglichem Erstkontakt zu Außerirdischen geschickt. Ebenso werden Mutanten gleich zu Beginn der Story eingeführt. Möglicherweise will man den Leser nicht lange auf das Erscheinen bereits bekannter Elemente warten lassen. Allerdings verschenkt man auch Potential. Marvel Comics hat ein paar Mal gezeigt, wie man auch mit bekanntem Ausgang dieselbe Geschichte immer wieder spannend erzählen kann, indem man die Details der Entwicklung verändert.
Vom Erzählstil her ist es auch eher was zur Unterhaltung zwischendurch. Charaktere muss man sich nicht aus den Erzählungen ableiten, sie werden vorgestellt. Und scheinbar ist es wieder eine Männerwelt. Die einzige Frau, die in den ersten drei Kapiteln beim Namen genannt wird ist die Geliebte eines der Crewmitglieder. Eine der besten Ideen beim Neustart von Battlestar Galactica war es meiner Meinung nach, aus Boomer und Starbuck weibliche Rollen zu machen. Aber vielleicht findet sich auf den weiteren Seiten ja noch eine Überraschung diesbezüglich. Dies hoffe ich auch für die Tendenz, die Manipulation der Massen zum positiv dargestellten Führungsstil zu machen, was sich bei Pounder ein wenig abzeichnet.
Fünfundzwanzig Seiten sind zu wenig um ein Urteil zu fällen, aber mein Gefühl sagt mir, dass ich auch bei der neuen Perry Rhodan-Serie nicht bleiben werde. Dennoch: Die Neugier treibt mich noch. Am Ende dieses Büchleins werde ich entscheiden, ob ich mir das zweite auch noch besorgen werde.